Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.
Ehrgeizige Klimaziele haben sich die G8 auf ihrem Gipfel in L' Aquila gesetzt, erstmals bewegen sich auch die für den Klimaschutz so wichtigen Schwellenländer. Der Durchbruch war das zwar noch nicht - aber immerhin konkreter als bei vorhergehenden Treffen. Gute Voraussetzungen für den anstehenden UN-Klimagipfel in Kopenhagen, sagt SWR-Umweltredakteur Werner Eckert im Interview mit tagesschau.de.
tagesschau.de: Umweltminister Gabriel spricht von einem Durchbruch, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und Umweltschützer kritisieren die Vereinbarungen als nicht ausreichend. Sind die Ergebnisse von L' Aquila nun der Durchbruch oder nicht?
Werner Eckert: Die Ergebnisse sind immerhin ein wichtiger politischer Punkt, der die Klimaschutzverhandlungen der UNO ein Stück voranbringt. Aber die jetzt erreichten Ergebnisse ersetzen die Verhandlungen bei den Vereinten Nationen nicht. Dennoch ist jetzt eine Hürde beseitigt: Man hat sich auf das Ziel geeinigt, maximal zwei Grad Erderwärmung hinnehmen zu wollen. Das ist deutlich, das ist eine Hausnummer - und genau dies ist bei allen Verhandlungen immer ganz wichtig: Man bleibt nicht im Ungefähren, sondern formuliert ein konkretes Ziel.
Dieses Ziel hat man jetzt formuliert, den Weg dahin allerdings noch nicht. Denn das Fernziel, den Ausstoß von Treibhausgasen auf 50 Prozent zu begrenzen, ist nicht begleitet worden von näher liegenden Zielen, die den Weg beschreiben und die Arbeit leichter machen könnten für die Verabredung und Umsetzung konkreter Klimaschutzabkommen.
tagesschau.de: Sie sprechen von konkreten Klimaschutzabkommen. Was könnten denn Deutschland und Europa konkret unternehmen?
Eckert: Deutschland und Europa haben sich festgelegt. Europa hat zugesagt, die Emissionen bis 2020 um 20 Prozent zu reduzieren. Für Deutschland bedeutet das innerhalb der EU-Absprachen dann 30 Prozent. Das ist fixiert. Aber andere Staaten haben nur weniger ambitionierte Ziele formuliert. Barack Obama etwa hat für die USA maximal ein Minus von vier Prozent angekündigt. Immerhin - das ist mal ein Minus. Wieder andere Staaten haben sich überhaupt noch nicht konkret geäußert. Bis zum Dezember - wenn in Kopenhagen ein neues Klimaschutzabkommen unter dem Dach der UNO beschlossen werden soll - bleibt noch einiges zu verhandeln.
tagesschau.de: Besonders die Schwellenländer wollen sich ja nicht zu konkreten Maßnahmen verpflichten lassen. Kann es denn überhaupt gelingen, sie bis zum Gipfel in Kopenhagen ins Boot zu holen?
Eckert: Ich glaube, in Kopenhagen muss man ernsthaft konkretisieren. Es ist allerdings illusorisch zu glauben, man könne China ein Minus beim Ausstoß von Treibhausgasen verordnen. Das erwartet aber auch keiner, der an den Verhandlungen beteiligt ist. China hat aber immerhin bei diesen G8/G20-Gesprächen - ebenso wie Indien oder andere Schwellenländer - offensichtlich zugestimmt, dass es möglicherweise akzeptieren kann, dass das Wachstum so wie bisher nicht weitergeht - auch beim Ausstoß von Treibhausgasen. Das ist ein wichtiges Zugeständnis.
Und China wird bei den weiteren Verhandlungen unter Druck stehen, eben weil die Amerikaner jetzt konkrete Zahlen genannt und konkrete Verpflichtungen übernommen haben. Aber auch, weil sich alle Industriestaaten gemeinsam verpflichtet haben, die Erderwärmung nicht über zwei Grad Celsius steigen zu lassen. Hier sind die Industriestaaten ein weiteres Mal ein Stück in Vorleistung gegangen - und erfüllen damit eine Hauptforderung der Schwellenländer. Die sind jetzt ganz eindeutig am Zug.
tagesschau.de: Gesetzt den Fall, das Zwei-Grad-Ziel lässt sich tatsächlich erreichen: Sind zwei Grad mehr nicht schon zwei Grad zu viel?
Eckert: Die Wissenschaftler, die im Weltklimarat zusammenarbeiten, haben die Grenze von zwei Grad definiert - auch wenn diese Grenze nur eine Annahme ist. Sie haben sie aufgestellt, weil eine globale Erwärmung um zwei Grad noch tolerabel scheint. Erst oberhalb dieser Grenze werden ihrer Einschätzung nach Prozesse in Gang gesetzt, die nicht umkehrbar sind. Zum Beispiel ein Abschmelzen der Polkappen oder ein Auftauen der Permafrostböden. Das wären Prozesse, die sich am Ende nicht mehr zügeln lassen.
Die Fragen stellten Jan Oltmanns, Dieter Westhoff, tagesschau.de
Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW