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Bundeskanzlerin Angela Merkel hat erstmals die Stasi-Unterlagen-Behörde in Berlin besucht. Vor 19 Jahren hatten DDR-Bürgerrechtler die einstige Zentrale der Staatssicherheit im Stadtteil Lichtenberg gestürmt. Zum Auftakt des Gedenkjahres zum 20. Jahrestag des Mauerfalls informierte sich die Kanzlerin bei einem Rundgang mit Behördenchefin Marianne Birthler über die Hinterlassenschaft des Ministeriums von Stasi-Chef Erich Mielke und die Arbeit der Behörde.
[Bildunterschrift: Merkel und Birthler beim Gang durch die Ausstellung. ]
Merkel sprach sich dafür aus, dass die Behörde noch Jahre weiterarbeitet. "Es hat sich gezeigt, dass die Offenheit der Akteneinsicht zur Versöhnung beigetragen hat und nicht zur Spaltung", sagte sie. Zur Diskussion um die Zukunft der Behörde betonte Merkel, dass die Stasi-Unterlagen erst "eines Tages" in normale Archive überführt werden sollen. In der nächsten Legislaturperiode werde eine Expertenkommission laut Gedenkstättenkonzept des Bundes Vorschläge zur Zukunft der Behörde erarbeiten. Sie gehe davon aus, dass die Behörde gerade im 20. Jahr des Mauerfalls ihre wichtige Arbeit fortsetze, sagte Merkel.
Birthler möchte die Aufarbeitungsbehörde mindestens bis 2019 erhalten. Sie begrüßte das Interesse der Kanzlerin: "Für uns ist das schon gut, wenn wir wissen, dass unsere Arbeit auch für die nächsten Jahre politisch gewollt ist." Arbeit sei genug da, und "deswegen finde ich es schön, wenn die Politik dazu steht, dass unsere Arbeit auch noch etliche Jahre fortgesetzt werden muss", fügte Birthler hinzu.
Die Behördenchefin betonte, dass die Aufarbeitung der Stasi-Vergangenheit noch lange nicht abgeschlossen sei. Das Interesse an den Akten sei weiterhin groß. Allein 2008 wurden nach Angaben der Behörde 87.000 Anträge auf Akteneinsicht gestellt. Vor allem der Anteil junger Menschen nehme jährlich zu, sagte Birthler. "Der Anteil ganz junger Leute, die bei uns Forschungsanträge stellen für Magisterarbeiten oder Dissertationen, wächst sehr." Vor einigen Jahren habe er noch bei 20 Prozent gelegen, inzwischen habe er sich mehr als verdoppelt. "Fast die Hälfte unserer Antragsteller sind heute sehr junge Leute."
In dem Zentralarchiv und den 14 Außenstellen der Behörde lagern insgesamt rund 112 Kilometer Akten, 1,3 Millionen Fotos und Dias, fast 5000 Filme und Videos, 164.000 Tonträger und rund 20.000 Disketten und Magnetbänder.
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