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Havarien, Entsorgungsprobleme, Katastrophenängste - sie alle haben zum schlechten Ruf der Atomkraft beigetragen. Am Ende blieb nur der Ausstieg, zumindest für Deutschland. Doch in Wirklichkeit steckt vielleicht eine viel populärere Kraft hinter dem miesen Image der Kernkraft - und die hat sogar die Lizenz zum Töten.
Von Wulf Rohwedder, tagesschau.de
Harrisburg, Tschernobyl, Gorleben, Asse, Fukushima, das alles hätte die Kernkraft wohl ausgehalten - glaubt Professor David Phillips, der Vorsitzende der britischen Königlichen Gesellschaft für Chemie. Er meint herausgefunden zu haben, wer wirklich der Atomkraft den Garaus gemacht hat: Nicht etwa die Bilder der zerstörten Meiler von Fukushima oder Tschernobyl hätten sich in das kollektive Gedächtnis eingegraben, sondern der von Agent 007 gesprengte Atomreaktor auf der Insel des Dr. No im ersten James-Bond-Film von 1962.
Und dann waren da ja auch noch Auric Goldfinger, Emilion Largo, Karl Stromberg und General Orlow, die alle mehr oder weniger radioaktive Pläne zur Übernahme beziehungsweise Vernichtung der Welt hegten. Mit diesen Bösewichten hätten die James-Bond-Filme nunmehr seit einem halben Jahrhundert der Eindruck erweckt, dass Atomkraft das Mittel der Wahl "für Megalomanen mit einem Hang zur Weltherrschaft" sei, so Philllips. Und selbige mussten halt vom guten 007 im Zaum gehalten werden.
Ob der ansonsten nicht gerade für sein ökologisches Bewusstsein bekannte Mann mit der Lizenz zum Töten tatsächlich die Macht hatte, eigenhändig die Atomkonzerne zu stoppen, mag dahingestellt zu sein - seine bisherige Erfolgsbilanz spricht jedoch nicht unbedingt dafür. Noch immer treiben böse Voodoo-Priester, Auftragskiller, Waffenschmuggler, Computerhersteller, Finanzspekulanten, Terroristen und Nachrichten-fälschende Medienmogule ihr Unwesen, obwohl solche Exemplare in James-Bond-Filmen unschädlich gemacht worden waren.
Und selbst in Bonds eigenem Heimatland gibt es noch eine ganze Reihe aktiver Atomkraftwerke. Immerhin: Der Ostblock ist gefallen. Aber der hatte ja auch keinen Fürsprecher wie Professor Philllips.
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