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21.05.2012

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Wirtschaft
Die Fahnen Deutschlands und Chinas (Foto: AFP)
Merkel-Reise nach China: Eine Werbetour, die sich auszahlen soll
Merkel reist nach China

Eine Werbetour, die sich auszahlen soll

Der Zeitpunkt könnte nicht besser sein: Kurz nachdem die EU ihren Pakt für strenge Haushaltsdisziplin unter Dach und Fach gebracht hat, überbringt Bundeskanzlerin Merkel die frohe Botschaft den Regierenden in China. Bis Samstag hat Merkel Zeit, um Vertrauen in den Euro zu werben - und um Investitionen.

Von Katrin Brand, WDR, ARD-Hauptstadtstudio

Niemand hat es behauptet und dennoch wird es dementiert: Die Kanzlerin ist keine Investmentbankerin, betonen die Berater von Angel Merkel. Soll heißen: Merkel wird nicht durch China reisen und dabei europäische Anleihen verkaufen, auch wenn die Europäer das chinesische Geld dringend brauchen könnten. Wenn Merkel heute in Peking mit Vertretern der Finanzwirtschaft zu Mittag isst, soll es vor allem darum gehen, Vertrauen zu schaffen.

"Die Chinesen sind natürlich sehr vorsichtige Investoren", bestätigt Stefan Friedrich, Asien-Chef bei der Konrad-Adenauer-Stiftung. "Sie werden den Besuch der Kanzlerin mit Sicherheit auch dazu nutzen, mehr Information über die Situation in der Europäischen Union zu bekommen - und sicherlich auch einige Zusicherungen von der Kanzlerin, dass Europa die Krise in den Griff bekommen wird", so Friedrich.

"Es geht immer um die Interessen Chinas"

Kanzlerin Merkel  (Foto: dapd) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Kanzlerin Merkel reist zum fünften Mal nach China. ]
Voriges Jahr noch hatten sich die EU-Staaten große Hoffnungen gemacht, China - das Land mit den enormen Währungsreserven - könnte sich in großem Stil an den Rettungsschirmen beteiligen. Dass daraus bisher nichts geworden ist, verwundert die Bundesregierung nicht. Schließlich stünden die neuen Instrumente erst jetzt zur Verfügung, heißt es, und sie hätten bisher noch gar kein Geld angefordert. Womöglich will China aber auch nur den Preis für sein Engagement in die Höhe treiben: "In einem müssen wir uns sicher sein: China wird keinen einzigen Yuan ausgeben, nur um den Europäern zu gefallen", sagt Ulrich Delius von der Gesellschaft für bedrohte Völker. "Es geht immer um die Interessen der Volksrepublik China."

Audio: Neues aus Euroland: Merkel in China

AudioKatrin Brand (WDR), ARD Berlin 01.02.2012 09:00 | 3'25
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Und welche diese sein könnten, hatte Premierminister Wen Jiabao schon voriges Jahr klargemacht, als er mit seinem Ministerstab nach Berlin reiste: "Wenn wir eine Aufhebung des EU-Waffenembargos und eine Anerkennung als Marktwirtschaft fordern, dann ist das doch im Wesentlichen eine Frage des gegenseitigen Vertrauens. Wir hoffen deshalb, dass die EU bald eine richtige Entscheidung trifft."

Ausbau der Handelsbeziehungen

Was die deutsche Reisegruppe, darunter 20 hochrangige Wirtschaftsvertreter, vor allem interessieren wird, ist der Ausbau der Handelsbeziehungen. Voriges Jahr tauschten die beiden Partner Waren im Wert von 145 Milliarden Euro aus - ein neuer Rekord. Doch immer noch sind die Hemmnisse groß: Es gibt Probleme mit Produktpiraterie, Investitionen sind nur mit chinesischer Beteiligung möglich, die Währung Renminbi ist weiterhin zu billig. Dennoch haben sich allein in der Provinz Kanton mehr als 400 deutsche Unternehmen angesiedelt. Eines davon, den Tunnelbauer Herrenknecht, will Merkel am Freitag besuchen, immer in Begleitung von Premierminister Wen, zu dem sie ein gutes persönliches Verhältnis haben soll.

Wen Jiabao und Angela Merkel (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die Chemie zwischen ihnen stimmt offenbar: Wen Jiabao und Angela Merkel (Archivfoto vom 27.6.2011 in Berlin)]
Die Fahnen Deutschlands und Chinas (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Merkel will im Reich der Mitte aber nicht nur für Europa werben, es geht auch um die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen. ]
 

Und den Premierminister will sie auch auf das Thema Menschenrechte und Minderheiten ansprechen, wie so oft. Delius von der Gesellschaft für bedrohte Völker legt der Kanzlerin ein Thema besonders ans Herz: "Wir finden es ganz wichtig, wenn Bundeskanzlerin Merkel die chinesische Regierung zu mehr Mäßigung in der Tibet-Frage drängt, denn dort eskaliert momentan die Gewalt. Immer mehr Nonnen und Mönche suchen den Freitod." Und die Sicherheitskräfte versuchten mit Gewalt, die Aufstände niederzuschlagen.

Doch solche Streitpunkte wie auch die unterschiedlichen Meinungen über das Nuklearprogramm des Iran könnten die insgesamt gute Stimmung nicht trüben, sagt Merkel in ihrem Video-Podcast: "Insgesamt freue ich mich auf meinen Besuch in China und ich denke, er wird ein neuer Schritt zu einer engeren Zusammenarbeit sein."

Stand: 01.02.2012 03:47 Uhr
 

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